Matrix und Auslaufrille lesen: Was die Gravuren über deine Platte verraten
Kurz gesagt: Zwischen der letzten Rille und dem Label liegt die Auslaufrille (englisch „runout“ oder „dead wax“). Dort stehen die Matrixnummer und weitere Zeichen – gestempelt oder von Hand geritzt. Sie zeigen, welche Plattenseite und welcher Schnitt das ist, oft auch, wo gepresst und wer geschnitten hat. Zusammen mit Label und Cover helfen sie, eine Ausgabe genau einzuordnen. Allein beweisen sie aber selten eine Erstpressung.
Aus unserem Bestand
Erstpressungen im Collector’s Room (ab 300 €)
Franco GoldaniFranco Goldani E I Suoi Solisti350,00 €Platte EX · Hülle EXItalien 1970 · Erstpressung
PrivatsammlungEverything EverythingMan Alive350,00 €Platte EX · Hülle EXUK & Ireland 2013 · Erstpressung
PrivatsammlungColdplayThe Remixes400,00 €Platte EX · Hülle VG+UK 2007 · Erstpressung
Nick DrakeBryter Layter500,00 €Platte VG · Hülle GUK 1971 · Erstpressung
PrivatsammlungHurdy GurdyHurdy Gurdy300,00 €Platte VG · Hülle VG+UK 1972 · Erstpressung
Erstpressungen unter 100 €
PrivatsammlungGeorge Lewis And His New Orleans StompersGeorge Lewis And His New Orleans Stompers (Volume 1)40,00 €Platte VG+ · Hülle M-US 1962 · Erstpressung
PrivatsammlungArea Code 615Area Code 615 / Trip In The Country45,00 €Platte M- · Hülle VG+UK 1974 · Erstpressung
PrivatsammlungNo ArtistLSD70,00 €Platte VG+ · Hülle VG+US 1966 · Erstpressung
PrivatsammlungThe Pretty ThingsEmotions80,00 €Platte G+ · Hülle VGUK 1967 · Erstpressung
PrivatsammlungMel & TimMel & Tim50,00 €Platte VG+ · Hülle VG+US 1973 · Erstpressung
→ Alle Erstpressungen im Shop (7.762)
Was steht in der Auslaufrille?
Beim klassischen Verfahren schneidet ein Toningenieur die Musik zuerst in eine Lackfolie. Davon entstehen in mehreren Schritten Metallteile – Vater, Mutter und schließlich der Stempel, der die Platten presst. Was in Lackfolie oder Metall eingeritzt oder eingestempelt ist, steht später auf jeder Platte dieses Stempels:
- Matrixnummer: die Kennung der Plattenseite, oft eng mit der Katalognummer verwandt.
- Zusätze wie „-1“ oder „A-1“: Je nach Firma kennzeichnen sie zum Beispiel den Schnitt einer Seite. Was sie bedeuten, muss man für jedes Label und Presswerk einzeln nachsehen.
- Zeichen des Presswerks: kleine Stempel oder Symbole, an denen Sammler das Presswerk erkennen.
- Kürzel der Mastering-Ingenieure: etwa „RVG“ für Rudy Van Gelder, „RL“ für Robert Ludwig oder „Porky Prime Cut“ von George Peckham.
Beispiel 1: Blue Note 1544 – von Hand geritzt


Auf dem Label von Hank Mobleys „Hank Mobley and His All Stars“ (Blue Note BLP 1544) steht unter „Side 1“ die Kennung „(BN 1544-A)“. In der Auslaufrille derselben Seite ist „BN-LP-1544-A-1“ von Hand eingeritzt – Label und Auslauf passen zusammen. Oben rechts sitzt ein kleines eingeprägtes Zeichen, das Sammler „Ohr“ nennen – eigentlich ein geschwungenes „P“: das Kennzeichen des Presswerks Plastylite, das damals für Blue Note presste. Bei Blue Note achten Sammler außerdem auf die Initialen „RVG“ von Rudy Van Gelder – auf frühen Platten von Hand geritzt, später gestempelt – oder auf den Stempel „VAN GELDER“. Diese Platte im Shop
Beispiel 2: The Beatles, „White Album“ – maschinell gestempelt


Die britische Mono-Ausgabe des „White Album“ von 1968 (PMC 7067/8) nennt auf dem Label von Seite 3 „PMC 7068“ und darunter „(XEX 711)“. In der Auslaufrille ist „XEX 711-1“ eingestempelt. „XEX“ steht bei EMI für eine Mono-Langspielplatte (Stereo hieß „YEX“), „711“ ist die Kennnummer dieser Seite, und „-1“ steht bei EMI für den ersten Schnitt. Diese Platte im Shop
Was die Gravuren verraten – und was nicht
Dieselbe Matrixnummer heißt nicht dieselbe Pressung: Ein Schnitt wurde oft für mehrere Auflagen verwendet, und eine spätere Auflage kann einen neuen Schnitt bekommen. Ob von Hand geritzt oder gestempelt, sagt nichts über die Qualität. Zuverlässig wird eine Einordnung erst, wenn Label, Katalognummer, Auslauf und Cover zusammen zu einer dokumentierten Ausgabe passen – zum Beispiel im Feld „Matrix / Runout“ von Datenbanken wie Discogs.
„Für mich ist es die Erstausgabe, wenn es dieselbe Nummer ist – die Stamper sind mir egal. Wenn man etwas wirklich sammelt, geht man manchmal tiefer ins Detail. Bei Blue Note ist das sehr wichtig.“
Wie tief man einsteigt, hängt also von der Platte ab – und davon, was für sie bezahlt wird.
„Bei anderen Platten interessiert es keinen, ob sie vom ersten, zweiten oder dritten Stamper ist. Aber wenn eine wirklich seltene Platte mit dem ersten Stamper für 100.000 verkauft wird und mit dem zweiten für 5.000, gibt es plötzlich einen Grund, sich damit zu befassen. Jede Platte hat ihre eigene Geschichte.“
So liest du die Auslaufrille
- Licht schräg einfallen lassen, zum Beispiel mit der Handylampe, und die Platte langsam drehen.
- Eine Lupe oder ein Handyfoto mit Zoom macht feine Gravuren lesbar.
- Beide Seiten lesen und alles notieren, auch kleine Zeichen und Symbole.
- Die Platte nur am Rand und am Label anfassen, nie auf der Rillenfläche.
→ Erstpressung erkennen · Zustand erklärt · Blue Note · The Beatles · Plattenparty auf YouTube
Häufige Fragen
Was ist die Matrixnummer? Die Kennung einer Plattenseite. Sie steht in der Auslaufrille und oft auch auf dem Label.
Was ist der Unterschied zwischen gestempelt und handgeritzt? Gestempelte Zeichen wurden maschinell eingeprägt, handgeritzte von Hand eingraviert. Über die Qualität der Platte sagt das nichts.
Was bedeutet „RVG“ in der Auslaufrille? Das Kürzel zeigt, dass Rudy Van Gelder die Platte geschnitten hat. Er nahm viele Jazzplatten auf, unter anderem für Blue Note und Prestige.
Beweist die Matrixnummer eine Erstpressung? Nein, nicht allein. Dieselbe Matrix wurde oft für mehrere Auflagen verwendet. Erst Label, Katalognummer, Auslauf und Cover zusammen ermöglichen eine zuverlässige Einordnung.











